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Der Bien und unsere Imkerei

Gedanken zum Jahresbeginn 2014

Seit 2009 sammeln wir Erfahrungen mit den Bienen und der Imkerei, jede Saison gibt es neue Überraschungen und immer wieder wundervolle Begegnungen mit den Immen. Unsere Faszination ist ungebrochen.

Im Jahr 2013 reisten wir mehrfach zu Kursen nach Süddeutschland zum Verein für wesensgemäße Bienenhaltung Mellifera e.V., um dort unseren Horizont für den Organismus Bien zu weiten. Besonders eindrücklich waren für uns die Referate des 86jährigen Bildhauers und Bienenvaters Günther Mancke im Rahmen des Workshops zum Bau des von ihm entworfenen Weißenseifener Hängekorbes im November. Wir saugten seine Worte regelrecht auf, die er wohlformuliert und frei vortrug. Die Stunden, in denen wir seinen Gedanken folgten und Ausführungen lauschten waren ein besonderes Geschenk.

Uns wurde deutlicher als je zuvor, dass jedes Bienenvolk ein individuelles Wesen ist und dass man es betrachten und behandeln kann wie eine Katze, einen Hund, ein Kaninchen, ein Tier dass man liebt und dessen Charakters man schätzt. Die individuellen Eigenheiten der Völker haben wir im Laufe unseres Imkerdaseins zwar bereits bemerkt und durch die Vergabe von Namen bedacht, jedoch war uns die weitreichende Tragweite dieser Betrachtung bisher nicht bewusst.

So sehen wir es zunehmend als unsere Aufgabe, das Wesen des Bien zur deuten und zu achten. Leider ist es wohl unmöglich, selbst unsere vergleichsweise wenigen Völker wesensgemäß zu halten. Dennoch ist es unser Herzenswunsch, sie so frei als möglich zu führen.
Immenwohl als Nebenerwerbsimkerei mit vielen kleinen Außenständen setzt selbstverständlich auf den Honigertrag. Deshalb müssen wir bei der Betriebs-
weise unserer Wirtschaftsvölker Kompromisse machen. Wir tun dies aber mit dem Bewusstsein, dass sich der Bien im Grunde genommen eine anderes Dasein wünscht.

Der Bien ist ein Wesen der Luft und hätte er die Möglichkeit, würde er sich in einiger Höhle zwischen Himmel und Erde ansiedeln. An deren Decke heftet er seine Wabenzungen, die ihrer Kettenform den Gesetzen der Schwerkraft folgen.
Wir näherten uns beim Plastizieren der Formensprache des Bien und staunten über die vielen verschiedenen, individuellen Skulpturen die entstanden. Dabei wurde uns deutlich, dass wir den Hängekorb als Sinnbild der Gestalt des Bien betrachten dürfen. An den Wänden dieser kunstvollen Behausung sich orientierend formen die Bienen zu unserer Erbauung ihr Wabenwerk.

Jedes Bienenvolk hat seinen ganz individuellen Duft, der mannigfaltig im Wachs gespeichert wird. Auch auch diesem Grund sollte man dem Bienenvolk die Chance geben, sein eigenes Wabenwerk zu errichten. Bei der wesensgemäße Imkerei ist der sogenannte Naturwabenbau eines der Grundprinzipien. Hier arbeiten die Imker ohne vorgeprägte und neutralisierte Mittelwände.
Auf diese Weise formt sich der Bien einen multifunktionalen und dynamischen Wachsköper, der seinen Werdegang auf komplexe Weise manifestiert.

Der Bien, also jedes einzelne Bienenvolk nimmt im Zusammenspiel mit der Natur seinen eigenen Lauf. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung löst sich mit dem Verdeckeln der ersten Weiselzelle sein innerer Zusammenhalt und er ist bereit für den Schwarmakt. Es ist ein Grundsatz der wesensgemäßen Bienenhaltung diesen zuzulassen. So teilen wir das Glück des sich im Schwärmen erfüllenden Bien.
Für Imker, die in der Schwarmzeit nicht täglich in den Mittagsstunden bei ihren Bienen sein können, gilt die Vorwegnahme eines Mutterschwarmes als Kompromiss. Dabei lässt man einen guten Teil der Bienen eines seine innere Bindung bereits aufgegeben Volkes mit ihrer alten Stockmutter in ihre neue Behausung einziehen.

Im Bienengarten von Kleinfolgenreich werden wir uns dem Zauber der wesensgemäßen Bienenhaltung öffnen und mit der Gemeinschaft von Immenhort dem Bien zur Seite stehen. Wir freuen uns darauf.

Wir danken besonders Thomas Radetzki, Norbert Poeplau und den Mitstreitern
von Mellifera e.V. für ihre beharrliche und wegweisende Pionierarbeit zur Verbreitung
der wesensgemäßen Bienenhaltung.

> mellifera.de

Wir lieben Bienen.

Unter diesem Motto stehen unsere uneigennützigen Bemühungen zur Verbreitung der wesensgemäßen Bienenhaltung und zum Verständnis des Bien als wunderbarer Organismus.

Getragen wird dieses Anliegen von gemeinnützigen Verein Kleinfolgenreich, dessen zentrale Heimstatt der Schwarmbienengarten von Kleinfolgenreich ist. An diesem Orte wollen wir die extensive Bienenhaltung in verschiedenen Beuteformen pflegen und die uns daraus erwachsende Freude am Bien mit unseren Gästen teilen.

Auf dem rechten Bild ist der helle Naturwabenbau eines vor gut einem Monat eingezogenen Schwarmes zu sehen. Man kann darauf sehr schön die Harmonie zwischen dem Wachsen des Wabenkörpers und der Ausbreitung des Brutnestes erkennen. Im oberen dunklen Bereich ist die erste Brut bereits ausgelaufen, also geschlüpft.

Moccas Bienenwagen – ein Wahrzeichen in Schortewitz

Bienen-Mocca aus Zörbig, mit bürgerlichem Namen Herbert Mehlig, wurde so genannt wegen seines unermüdlichen Engagements für die Bienen und seiner früheren Vorliebe für starken Kaffee. Er wurde 2010 nach schwerer Krankheit mit Anfang Fünfzig aus dem Leben gerissen. Wir lernten ihn im Jahr vor seinem Tod im Imkerverein Zörbig kennen und bekamen noch etwas von seinem Wirken für die Bienen mit. Nach seinem Ableben reifte bei uns die Idee, seinen Bienenwagen zu kaufen. Max hatte Mitte der 80er Jahre in der DDR eine Bienen-Saison als Gehilfe einer Wanderimkerei in einem baugleichen Gefährt gearbeitet und gelebt. Auch daher rührte unser Interesse. Wir planten, den Wagen nach Schortewitz zu holen, um ihn als Wahrzeichen im Gedenken an Bienen-Mocca zu pflegen und zu erhalten.

Im Dezember 2011 kam der Kauf zustande und am letzten Tag dieses Jahres überführten wir das Gefährt, mit einer Erstzulassung aus dem Jahre 1988, von Mößlitz an die Feldkante von Schortewitz. Damit das Wahrzeichen mit Leben gefüllt wird, logierten wir 2012 zwei kleine Völker ein: Mocca & André. Sobald sie in diesem Frühjahr erstarkt sind, werden wir sie in geräumige Beuten umsetzen. Zu eng und beschwerlich ist das Wagenquartier für den Bien und seinen Imker. Im schönen Bienenwagen wollen wir dann eine kleine Bibliothek und eine schlichte Gästekammer einrichten. Ansonsten dient er uns in der Bienensaison monatlich als Moccas Bienenwagentreff.

Moccas Bienen-Geschichte
Herbert Mehlig übernahm 1971 die Imkerei seines Vaters und begann mit 45 Völkern. Seine Bienenwagen fuhr er zu DDR-Zeiten unter anderem auf die Obstplantagen in Prussendorf, in den Sandersdorfer Busch oder auf die Felder der einstigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften – kurz LPG.
Von Beruf war der Imker Obst- und Gemüsefacharbeiter und verkostete als Schichtarbeiter bei der späteren Zörbiger Konfitüren GmbH Marmelade.

Nach der Wende betrieb er die Imkerei als Hobby mit 10 eigenen Völkern und kümmerte sich hingebungsvoll um den Bienenlehrstand auf Gut Mößlitz. Seit 1998 war er ehrenamtlicher Mitarbeiter im Förderverein des Gutes und engagierte sich für den Aufbau des Bienenprojektes.
Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde die Idee eines Bienenhauses mit Schauwabe und Infotafeln im Gutspark unter fachkundiger Anleitung von Herbert Mehlig umgesetzt. Er spendete über Jahre Geld für die finanzielle Absicherung und verbrachte pro Woche viele Stunden am Stand in Mößlitz. Er kümmerte sich um die Bienenvölker und brachte Kindern und Interessierten die Imkerei näher.
Nach seinem Tod übernahm Wolfgang Gernert die Betreuung des Bienenstandes am Gut Mößlitz mit zwei Völkern.

Artgerechte Imkerei

In unserer Imkerei im Nebenerwerb leben die Bienen in geräumigen Holzbeuten und sind in kleinen Gruppen einzeln aufgestellt. Die Magazine stehen stets auf Ständern, dadurch herrscht in den Bienenwohnungen stets ein gutes Klima. Durch Oberbehandlung der ungeteilten Bruträume verlaufen die notwendigen Eingriffe schnell und schonend.

Unsere Königinnen sind nicht gezeichnet und erhalten keinen Flügelschnitt. Männer gehören ins Volk – wir schneiden keine Drohnenbrut. Der Bien darf sich im Brutraum in Rähmchen mit Anfangsstreifen im Naturwabenbau einrichten.

Soweit die Umstände es erlauben, nehmen wir kurz nach dem Verdeckeln der Weiselzellen Schwärme vorweg. Neben dieser wesensgemäßen Vermehrung setzen wir unsere Hoffnung auf die Standbegattung von zwei Zuchtserien ausgewählter Weisel.

Unsere Völker verweilen an regionalen Standorten mit möglichst großer Blütenvielfalt und tragen dort Nektar ein. Auf sortenreinen Honig legen wir keinen besonderen Wert. Die Honigräume halten wir durch Absperrgitter brutfrei. Die Verwendung von zwischengesetzten Fluchten, mit deren Hilfe die Bienen in einer Art Einbahnstraße aus dem Honigraum wieder in den Brutraum zur Königin gelockt werden, ermöglicht eine schonende Honigernte.

Im Spätsommer wandern wir mit den meisten Völker zur Balsaminenblüte in die Elsteraue. Dort sammeln die Bienen ihren Wintervorrat selbst. Wenn es nötig ist, füttern wir mit einem Sirup aus einem Teil Honig, zwei Teilen deutschen Bio-Rübenzucker und Kamillentee zu.

Auf dem neben stehenden Bild ist eine Königin zu sehen. Sie ist erkennbar an ihrem langen, lederbraunen Hinterleib. Die mit einem blauen Punkt Gezeichnete stammte von unserem Imkervater Ernst Wagner aus Mudau.

Termine

Wir haben ein Problem mit der Webseite. Bitte auf www.kleinfolgenreich.de wechseln!!

Geschehen

Immenwohl & ImmenKontor 2017

Grundsätze

Wir lieben Bienen.

Leihimker

17. Juni 2013

Immenhort

Patenschaft

fuss